Peter Kordt

3 Fragen an Peter Kordt, Geschäftsführer von LUMENION

08.06.2022

“Der Wegfall der EEG-Umlage ist ein Booster für Speicherintegration”

Berlin (energate) – Die Novellierung des EEG bringt die langersehnten finanziellen Anreize für eine großflächige Integration von Speichern ins Stromnetz. Vor allem der Wegfall der EEG-Umlage werde einen wichtigen Impuls setzen, meint Peter Kordt, Geschäftsführer des Speicherherstellers LUMENION.

energate: Herr Kordt, welche Impulse erwarten Sie für durch den Wegfall der EEG-Umlage?

Kordt: Der Wegfall der EEG-Umlage ist ein Booster für die großflächige Integration von Speichern ins Netz. Politisch stand bisher wenig im Fokus, dass hierzulande circa 53 Prozent der produzierten Energie zur Bereitstellung der Warmwassergrundversorgung und der Prozesswärme verwendet werden. Diese werden noch zu 85 Prozent aus fossilen Energieträgern gewonnen. Das muss sich ändern. Hier können thermische Energiespeicher maßgeblich zu einer klimafreundlichen Produktion im Industriebereich beitragen. Eine Hürde stellte bisher die EEG-Umlage dar. Grund dafür ist, dass Stromspeicher bisher sowohl als Letztverbraucher als auch als Erzeugungsanlage gelten. Daher musste hier die EEG-Umlage abgeführt werden, was eine wirtschaftliche Benachteiligung gegenüber fossilen Brennstoffen bedeutete.

energate: Wie bewerten Sie den wirtschaftlichen Rahmen für thermische Energiespeicher?

Kordt: Durch die Novellierung des Gesetzes entstehen finanzielle Anreize und ein fairer Markt, der sich aus marktwirtschaftlicher Perspektive in zwei Richtungen entwickeln wird: Zum einen wird der Ausbau und die Integration von Speichern für klimafreundliche Wärme von dem großen Bedarf an Prozesswärme beispielsweise in der Lebensmittel- oder Chemieindustrie getrieben. Des Weiteren wird sich die Forschung und Entwicklung von weitaus leistungsstärkeren Speichern beschleunigen, um die große Nachfrage zu erfüllen. Viele Speicher sind langlebig, wartungsarm und sehr schnell realisierbar. Wir können zudem als Überkompensationsausgleich für die bestehende Netzstruktur dienen. Der von unseren Speichern initiierte Ladevorgang kann beispielsweise starten, wenn aufgrund der Volatilität der erneuerbaren Energiequellen normalerweise eine Abschaltung der Netzeinspeisung stattfinden würde. So kann unser thermischer Energiespeicher Strom nutzen, der sonst faktisch verlorenginge.

energate: Welches Wachstum an Kunden ist durch den Wegfall der EEG-Umlage zu erwarten?

Kordt: Die Branche rechnet mit einem Wachstum von bis zu 29 Prozent im Jahr 2022. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das laut Bundesverband Energiespeicher eine Umsatzsteigerung von 2,5 Mrd. Euro. Was unser Unternehmen angeht: Vor allem die Lebensmittelindustrie ist derzeit stark an der Integration thermischer Speicher interessiert. Eines unserer aktuellen Projekte ist die Konzeption eines Speichers für einen Biobauern, der Dampf für die Verarbeitung seines Gemüses benötigt, bevor er es einfriert. Hier reden wir über 20 MWh – verglichen mit unserem Speicher in Berlin, der mit gerade einmal 2,4 MWh rund 400 Wohnungen mit Wärme versorgt, ein Riesenprojekt.
Sehr hohen Wärmebedarf unterhalb von 600 Grad haben aber auch die Chemieindustrie, Molkereien oder Brauereien. Alle Unternehmen, die Prozesswärme benötigen, machen sich derzeit Gedanken, wie sie ohne fossile Energieträger künftig noch produzieren können. Die Zeit drängt. Daher haben wir derzeit sehr viele Anfragen.

Die Fragen stellte Artiom Maksimenko


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10.06.2022, 09:14

Foto oben: Kordt: “Vor allem die Lebensmittelindustrie ist derzeit stark an der Integration thermischer Speicher interessiert.”
(Quelle: Lumenion GmbH)

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